Der Prozess

von 2bd am 19. September 2018

Und hier der zweite, schon etwas ältere Text, der für das Buch «Der Prozess» vorgesehen ist/war, und gleichsam klandestin (versteckt) das durchgehende persönliche Drama des Matrixlebens beschreibt.

Der Prozess

Irgendwann früh in deinem Leben hast du den natürlichen Prozess gestoppt. Dafür sprach durchaus biologische Vernunft. Im Hinblick auf deine vitalen Lebensinteressen jedoch war das sehr, sehr unvernünftig. Kurz: Es war eine Katastrophe. So lass uns an den Punkt zurückgehen, an dem du aufgegeben hast, und diesen (Primär)Prozess wieder in Gang setzen!
Ach, der viele Rost, der sich inzwischen überall gebildet hat; das Ächzen im Gebälk; die Spinnweben, die kaum noch Durchblick gewähren … so einfach wird das nicht. Weißt du, wie lange das schon her ist, dass du dich von diesem Ort verabschiedet hast, hinausgewandert bist ins Leben, wohlwissend, dass du deine grössten Schätze zurücklässt? Doch, auch das hast du wohl längst vergessen. Man nennt das scheints «sich arrangieren». Nein, das war kein billiger Kompromiss! Du hast damals lange verzweifelt gekämpft. Auch vergessen? Das Nachgeben, sprich deine Niederlage waren bloss schmerzliche biologische Vernunft. Unglaublich schmerzlich sogar. Erschütternd, doch unvermeidlich.

Seit da hast du dir und deinem Lebenswandel jeden Tag Recht gegeben. Irgendwie musstest du jene Katastrophe ja verarbeiten. Vor allem die Tatsache, dass nichts, aber auch gar nichts dafür sprach, dass du die zurückgelassenen Ressourcen je wieder finden und aktivieren könntest. Du hast dir im Interesse dieses Arrangements unglaublichen Mist erzählt. Darüber, wer du seist. Wie das Leben sei. Was da drin liegt und was nicht. Das alles bloss, um den Verlust erträglicher zu machen. Und um wenigstens zu überleben. Du hast beinahe alles gerechtfertigt und dein Bewusstsein vor allem in den Dienst dieser Rechtfertigung gestellt. Von kleinen alltäglichen Illusionen bis zu gigantischen Mythen, die du entwickelt oder übernommen hast. Du hast dich Fantasiegebäuden verschrieben, die widersinnige Empfindungen wie Hoffnung nährten, die das Leben, insbesondere dein Leben, wieder in einem angenehmen Licht erscheinen lassen sollten, die dir gar vorgaukelten, alles würde irgendwann gut.
NICHTS WIRD GUT!

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